Schulpolitik: Reformpädagogische Ansätze

„Hilf mir es selbst zu tun!“ – Ein Grundsatz, der der Reformpädagogik Maria Montessoris zugrunde liegt. Ähnlich wie Pflänzchen in einem Garten sollten die Kinder gedeihen und nicht ständig „zurecht gestutzt“ werden. Der Konzept des offenen Unterrichts gehört zwar nicht zu den neuesten Unterrichtstheorien bzw. zu jenen Theorien, die dieses Jahr zur bildungspolitischen Disposition gestellt worden.

Während in den 1960er und 1970er Jahren die Wissenschaftsorientierung und damit die systematische Vermittlung von Inhalten im Vordergrund stand, setzte Ende der 1970er Jahre eine Revitalisierung von reformpädagogischen Gedanken und Einstellungen ein.  Die Forderung Forderung nach einer Humanisierung oder sogar Entschulung der Schule wurde laut. Dennoch ist der offene Unterricht ein Thema, was vor allem von dem älteren Lehrpersonal immer noch verschmäht wird.

Offener Unterricht kann die Öffnung des Unterrichts hinsichtlich der Unterrichtsform, der Methodik und der Inhalt meinen. Verschiedene neuere Ansätze wie z.B. Freie Arbeit, Stationenlernen oder Wochenplanunterricht fallen unter den Begriff. Das Kind steuert seinen Lernprozess selbst und kann dadurch Kreativität entfalten. Soviel zur Theorie.

Alternativschulen und Reformschulen erleben eine bis heute andauernde Hochkonjunktur. Schlagworte für die gegenwärtige Diskussion sind Schülerzentrierung, Projektunterricht oder handlungsorientiertes Lernen. Wie sieht das aber in der Praxis aus? Hier ein Beispiel: Biologieunterricht in der sechsten Klasse, genauer: Gestaltung des Schulgartens.

Wie wäre es zum Beispiel, wenn die Schüler ihr eigenes Gartenhaus Karibu aufbauen und ihr eigenes Gemüsebeet anlegen? Hier verbinden sich fächerübergreifende bzw. pädagogische Kernziele: Umweltschutz, Teamarbeit, Erfahrungen mit der Natur. Die Öffnung des Unterrichts kann also schon erreicht werden, wenn man einfach mal den theoretisch langweiligen Klassenraum verlässt und sich in die freie Natur begibt.

Der Aufbau eines Karibu Gartenhaus ist nur ein Beispiel vieler Möglichkeiten. Auch kann der Biologieunterricht mit dem Deutschunterricht verknüpft werden, in dem man zum Beispiel einen Projekttag „Zusammen im Wald“ durchführt und die Erlebnisse danach verschriftlichen lässt, anhand eines Erlebnisberichts beispielsweise. Vor allem die Lehrerbildung in Deutschland sollte sich mehr mit reformpädagogischen Ansätzen auseinandersetzen, denn die neuesten Konzepte kommen in der universitären Ausbildung meist zu kurz.